SKSZ Präsidentenkonferenz 2019

03.12.2019

Bei der Spitex stehen möglicherweise grundlegende Veränderungen an.

«Die berufliche Zufriedenheit ist bei den Ärzten und bei vielen Therapeuten gross, ebenso bei den Verwaltungsangestellten im Gesundheitsbereich. Nur die Pflegenden leiden unter der Fremdbestimmung und der zunehmenden Administration; die Strukturen bieten kaum Motivation und Entfaltungsmöglichkeiten, es gibt wenig Raum für die Selbstgestaltung.» Das sagte Evelyne Reich, langjährige Leiterin des kantonalen Amtes für Gesundheit und Soziales und bis im Februar 2019 Direktorin des Spitals Lachen an der Präsidentenkonferenz des Spitex Kantonalverbandes Kanton Schwyz (SKSZ). Sie weiss es aus Erfahrung. Lesen Sie weiter...

Jetzt sitzt sie im Vorstand des SKSZ. Sie wurde vom Verband beauftragt, eine Strategie für die zukünftige Spitex Grundversorgung zu entwickeln – und machte sich mit der neuen SKSZ-Geschäftsleiterin Bernadette Keller im September auf nach Holland. Die Niederlande sind ein Vorzeigeland bei der ambulanten medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Dort haben sie sich das Modell Buurtzorg, das auf eine sehr klientennahe Pflege und Betreuung setzt, angeschaut.

Sich selbst organisierende Teams
«Die Pflegenden sind in kleinen Teams organisiert und betreuen 30 bis 50 Patienten. Sie führen ihre Arbeiten und ihr Geschäft eigenständig. «Falls sie Unterstützung benötigen, können sie die zentralen Dienste einer übergeordneten Organisation anfragen», berichtete Evelyne Reich begeistert. «Das Modell geht weg vom hierarchischen Denken hin zu sich selber organisierenden Teams», brachte sie es auf den Punkt. Mit erstaunlichen Erfolgen: Die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden sei massiv angestiegen, die Fluktuation entsprechend gesunken und die Probleme der Personalrekrutierung zurückgegangen. Auch die Zufriedenheit der Klienten sei sehr deutlich gestiegen. Erstaunlich ist dies insbesondere, weil der durchschnittliche Pflegeaufwand pro Patientin und Patient bei «Buurtzorg» erstaunlich tief ist. Der administrative Aufwand wurde dank ausgeklügelten IT-Lösungen von 20 auf zwei Prozent zurückgefahren. Die Teams können ihre Resultate per Mausklick untereinander vergleichen, es herrscht ein gesunder Wettbewerb. «Buurtzorg hat den Nerv der Zeit getroffen», resümierte die erfahrene Gesundheitsfachfrau.

Das Modell Buurtzorg (übersetzt: Nachbarschafts-, Familienhilfe) könnte ein faszinierender Lösungsansatz für den Kanton Schwyz sein, denn es sei in den ländlichen Gebieten Hollands entstanden und habe heute auch die Städte erobert. Dazu brauche es ein «umfassendes Überdenken der heutigen Strukturen». Deshalb stellte Evelyne Reich die Frage in den Raum: «Wie könnten wir dieses hocheffiziente Modell in der Spitexlandschaft des Kantons Schwyz umsetzen?» Sie wird nun mit einem Team aus Mitgliedern des Vorstandes und der Geschäftsführerin eine Projektskizze entwerfen und diese an der Delegiertenversammlung des SKSZ am 22. Juni 2020 erstmals vorstellen. (pd)

 

 

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